“Stopp Werbung”-Kleber stoppt Werbung nicht immer

Zwar sind die Zeitungen im Sommer dünn. Der Briefkasten ist aber trotzdem oft gut gefüllt. Die von vielen unerwünschten Werbesendungen schaffen es trotz «Stopp-Werbung»-Klebern immer wieder in das Postfach. Das nervt die Meisten, wie eine nicht repräsentative Umfrage von «tagesschau.sf.tv» zeigt. Dagegen machen kann man aber wenig.

Mehr als 3300 «tagesschau.sf.tv»-User stimmten in wenigen Tagen über die Frage ab: «Stört Sie Werbung im Briefkasten?» Dabei sagten nur gerade 17 Prozent, dass sie dank einem «Stopp-Werbung»-Kleber Ruhe hätten.

Über 50 Prozent äusserten sich genervt über die nicht abreissende Papierflut. Sie haben entweder trotz Hinweis Werbung im Briefkasten (28 %), oder erhalten zwar keine kommerzielle Werbung, werden aber von politischen Sendungen nicht verschont (23 %).

Kleber auf fast der Hälfte aller Briefkästen
Rund ein Drittel der Umfrage-Teilnehmer (32 %) stören sich nicht an Werbung und haben darum auch keinen Kleber am Postfach angebracht. Die Mehrheit der Schweizer Haushalte möchte aber anscheinend keine unerwünschte Reklame erhalten.

Gemäss aktuellen Zahlen der Publicitas für 2009 klebt an 44 Prozent der Briefkästen in der Schweiz ein «Stopp-Kleber».

Auch wenn sich fast ein Viertel der «tagesschau.st.tv»-User darüber nervt: Gegen die Post von politischen Parteien können sie sich nicht wehren. Die Post ist nämlich dazu verpflichtet, diese zuzustellen.

SVP nutzt Regeln zu ihrem Vorteil
Grundsätzlich unterscheidet die Post «kommerziellen» und «offiziellen» Inhalt. Politische Drucke gehören zu Letzterem. Sie werden laut Post «gemäss jahrelanger Usanz auch in jene Briefkästen, die mit einem Werbestopp-Kleber versehen sind» verteilt.

Die SVP kennt diesen Sachverhalt anscheinend genau. Seit einigen Tagen werden vier Millionen Werbezeitungen der Partei verschickt.

Die SVP scheint sich aber bewusst zu sein, dass nicht jeder der vier Millionen Empfänger ihr Blatt will. Sie sichert sich mit dem Hinweis ab, dass es ich bei ihrer Sendung nicht um Werbung sondern um «politische Information» handle.

Wertvolle Privatadressen
Etwas anders sieht es bei den «kommerziellen» Zustellungen aus. So gilt der «Bitte keine Werbung»-Aufkleber nicht für adressierte Werbepost. Hier hat die Post eine gesetzliche Zustellpflicht.

Firmen kennen darum allerlei Tricks, sich die Adressen potentieller Werbe-Empfänger zu verschaffen. Wettbewerbe oder Umfragen sind beliebte Umwege, um zu Adressen zu kommen. Grosse Firmen können sich Anschriften gar kaufen.

Noch ein Kleber: «Refusé»
Ganz wehrlos ist der Empfänger hier aber nicht. Das Konsumentenforum rät, sich in die so genannte Robinsonliste des Schweizer Direktmarkteting Verbandes (SDV) einzutragen.

Dabei handelt es sich um eine Liste für Privatpersonen, welche keine adressierte Werbung mehr erhalten wollen. Alle SDV-Mitglieder haben sich dazu verpflichtet, die Personen auf der Robinsonliste nicht mehr anzuschreiben.

Zudem empfiehlt das Konsumentenforum, unerwünschte und adressierte Werbung zurückzusenden. Entsprechend vorgedruckte Kleber mit dem Vermerk «Refusé» können bei der Organisation bestellt werden.

Quelle: Tagesschau.sf.tv

Von Florian Frey, Montag, 2. August 2010